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PREMIERE: Der Pakt (ab 13 Jahren)

Fa(u)st ein Overkill für Sinnsucher 

“Dass ich erkenne, was die Welt // Im Innersten zusammenhält.”

Faust in der Filterblase. In Goethes Original berauscht sich Faust an der Möglichkeit, alles Wissen der Welt zu erlangen. Dank Mephistos Hilfe schafft er den Sprung raus aus seiner Beschränktheit – die Limitierung einer Zeit, in der man dachte, die deutsche Sprache umfasse rund 58,500 Wörter, dabei sind es laut aktuellen Daten des DUDEN etwa 23 Millionen. Aber was tut der moderne Mensch angesichts des unlimitiert verfügbaren Wissens? Berauschen wir uns an all den Daten? Sicherlich auch. Vor allem aber schotten wir uns ab.

Faust Spruch bewahrheitet sich auf erschreckende Weise im Jahr 2018: „Und sehe, daß wir nichts wissen können!“ Man könnte einwenden: Wir aber „können“ doch wissen! Genau das ist das Problem: Wir haben mehr Welt denn je zur Verfügung. Mehr als uns lieb ist. Mehr als wir intellektuell verarbeiten können. Unser Problem heute ist, dass sich das vermeintliche Wissen ins Unverbindliche aufgelöst hat: Fake News überall. Wir können doch nichts wissen. Wissen, ob all das stimmt. Und schlimmer noch: So wirklich wollen wir es vielleicht auch gar nicht wissen. Oder sag‘s mit Faust: “Du kannst! So wolle nur!”
Die Lösung sind Referenzräume, in denen wir die Realität bestimmen und gestalten, in die wir uns im Bemühen um Selbstvergewisserung mit unseren Peers zurückziehen. Filterblasen. Wir alle sind angeblich in Blasen gefangen. Zuerst beschrieb die Filterblase der Online-Aktivist und Unternehmer Eli Pariser im Jahr 2011. Er definierte sie als ein “Universum an Informationen”, erschaffen durch Algorithmen, das für jeden einzelnen anders aussieht. Nutzer würden den Eintritt in ihre persönliche Filterblase nicht bemerken und entrinnen könnten sie ihr auch nicht.

“Die Filterblase ist eine zentrifugale Kraft, die uns auseinanderreißt”,
schrieb Pariser. Das Internet und seine Mechanik als Sündenbock, als angebliche Ursache sozialer Spaltung, gesellschaftlicher Gräben und der Verrohung des Alltags.
Aber: Ein System ist nur so böse, schlecht, oder klug wie seine User. Wir benutzten schon immer Systeme, die die Menschen vor uns für Teufelszeug hielten. Autos zum Beispiel. Und mal ehrlich: Niemand wird auf die Straße gelassen, bevor er oder sie eine Fahrprüfung bestanden hat. Wie aber reagieren Jugendliche auf die unüberschaubare Masse von Daten, auf die Intensität des Lebens der Anderen auf Instagram, Facebook, Youtube? Nicht, indem sie einen Medienführerschein machen. Und offenbar auch nicht, indem sie öfter auf Bäume klettern und sich Holzschwerter schnitzen. Die Filterblase wird zur alternativen Realität. Wenn wir uns langweilen, schauen wir Videos bei YouTube oder Netflix. Wenn wir einsam sind, öffnen wir Facebook, um uns sozialer Kontakte zu vergewissern. Wenn wir uns bei etwas unsicher sind, googlen wir es schnell. Fast ohne bewusstes Nachdenken nehmen wir uns, was schnelle und gut zugängliche Erleichterung bietet. Und das Perfide ist: Wir entwickeln eine seelische Verbindung zu den Dingen, die uns Abhilfe vom Unbehagen verschaffen. Der moderne Faust tritt also den Weg in die entgegengesetzte Richtung ein: Statt hinaus in die Welt drängt es ihn immer tiefer hinein in sein (scheinbares) Ich, in sein Konstrukt aus positiven Feedbacks der Follower, in seine Matrix.

Logisch irgendwie, dass auch ein moderner Mephisto den Weg umkehrt.

 

Regie: Robert Christott

Spiel: Philipp Birkmann, Till Klein

Bühne/Kostüm: N.N.

Musik: Klaus Jacobs

Produktionsleitung: Ragna Kirck, Hille Marks

Dramaturgie: Karoline Bendig

Technik: Marco ten Wolde

Graphik + Layout: Sabina Kukuk

Fotos: Ingo Solms

DVD: Roman Holtwick

 

Spielplan

11. Mai 2019
20:00

Das CASAMAX Theater e.V.

Das CASAMAX Theater in Köln ist ein gemeinütziger Verein und Produktionsort für Theaterprojekte und Aufführungsstätte für Bühnenstücke mit dem Schwerpunkt Kindertheater und Jugendtheater. Die freie, kreative Arbeitsweise des teAtmo Ensembles prägt seine Produktionen. Die Stücke sind sinnlich, stimmungsvoll und erzählen Bilder. Ihnen bleibt Raum für Ihre Assoziationen, Gefühle und Gedanken...


Wir bieten

Wir bieten Kindern und Jugendlichen: Den Blick hinter die Bühne, Nachgespräche, theaterpädagogische Vor- und Nachbereitungen zu Stücken sowie zu einzelnen Themenbereichen, Sondervorstellungen, Gastspiele, verschiedene Projektangebote wie z.B. Theater im Klassenzimmer. Weitere und aktuelle Informationen zum Kindertheater und Jugendtheater finden Sie hier auf unseren Internetseiten.


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